Resolution Berliner Arbeitstagung Kritische Soziale Arbeit 2011
Im Feld der Sozialen Arbeit sind aktuell problematische Veränderungen und Entwicklungen, wie Deprofessionalisierung, Entsolidarisierung, ein neosoziales Menschenbild, sowie eine zunehmende Vermarktlichung, festzustellen. Um sich diesen Zumutungen entgegenzustellen, trafen sich 150 Sozialarbeiter-Innen und SozialpädagogInnen aus ganz Deutschland am 17. +18. Juni 2011 in Berlin zu einer Tagung unter dem Motto „aufstehen-widersprechen-einmischen“. In 8 Workshops und einem Forum-Theater-Workshop wurde an Bestandsaufnahmen, Analysen und an Strategien gearbeitet, wie es gelingen kann, diese Entwicklungen zu stoppen und andere Wege zu nehmen.
Die TagungsteilnehmerInnen schätzen die aktuelle Lage wie folgt ein:
Soziale Arbeit, als gesellschaftliche Instanz, ist der sozialen Gerechtigkeit verpflichtet. Die gegenwartige neoliberale Finanz- und Sozialpolitik bedeutet eine drastische Verknappung der Ressource Soziale Arbeit fur die Gesellschaft. Das damit einhergehende neosoziale Menschenbild, das auch unsere Profession mehr und mehr pragt, unterwandert die Umsetzung einer nachhaltigen und qualitativen Sozialen Arbeit. Die Krise der Sozialen Arbeit spiegelt die Krise unserer Gesellschaft wider. Die Konditionierung der Sozialen Arbeit variiert bundesweit. In den neuen Bundeslandern haben sich die Probleme besonders zugespitzt, die Tendenzen und die sie verursachenden Faktoren sind jedoch uberall zu beobachten. Soziale Arbeit und vor allem die ihr anvertrauten Menschen, stehen gesellschaftlich unter massiven Belastungen und Druck. Im Kampf um die Verteilung offentlicher Mittel, Forderungen nach einer evidenzbasierten Sozialen Arbeit, einer gesellschaftlichen Ruckkehr zu autoritaren Strukturen und dem zunehmenden Wegfall offentlich verfugbarer und gestaltbarer Raume, zeigen sich die Auswirkungen der zuruckliegenden zwanzig Jahre neoliberaler Politik in Deutschland und des globalisierten Wirtschaftsliberalismus.
Appell an die KollegInnen der Sozialen Arbeit:
● Fordert Respekt und Anerkennung fur eure Arbeit! Wirkt der Entwertung der Sozialen Arbeit entgegen!
● Vertretet selbstbewusst, dass die angemessene fachliche Begleitung und Unterstutzung eurer Klientel nicht allein dem beruflichen Ethos, sondern ebenso geltendem Recht verpflichtet ist (z. B. Grundgesetz, UN Kinder- und Menschenrechtskonvention, KJHG/SGB VIII).
● Diskutiert und veroffentlicht problematische Entwicklungen eurer Arbeit!
● Benennt Ursachen und Hintergrunde, stellt euch gegen Forderungen und Oktroyierung von okonomischen Effizienzkriterien und absurden Sparbestrebungen!
● Informiert Politik und Offentlichkeit uber gegenwartige Entwicklungen in unserer Gesellschaft, mischt euch offensiv in die politische Auseinandersetzung ein!
● Tut euch zusammen, vernetzt und organisiert euch: zu eurem Schutz und zum wirksamen Agieren!
● Engagiert, organisiert und vernetzt euch in Projekten und Bundnissen fur eine kritische Soziale Arbeit!
Quelle: aufstehen widersetzen einmischen