Europa streikt
So langsam muß man anfangen, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren. Heute ist landesweiter Streik in Frankreich, morgen Generalstreik in Italien, kommenden Dienstag in Griechenland. “Entweder sie oder wir” nennt Heike Schrader ihren aktuellen Bericht aus Athen in Junge Welt und zitiert Alexandra Balou: “‘Entweder sie oder wir, entweder das Volk oder die Monopole, entweder die Profite der wenigen oder der Wohlstand des Volkes.’ Es gebe weder einen Mittelweg noch den Weg zurück, erklärte die PAME-Gewerkschafterin.” (Hier ein paar aktuelle Fotos aus Piräus.)
Während wir uns mit Fußball befassen (sollen) und die beiden Großdemos in Berlin und Stuttgart mit Nachrichten, wie der von der Splitterbombe die keine war, schlecht geredet werden, müssen wir uns behelfen, so gut es geht. Wie eine richtige Großdemo geht, mit 100.000 Leuten, zeigt uns das kleine Griechenland.
Ich finde es langsam demütigend, wie wir Deutschen unser Verhältnis zur Regierung “gestalten”. Was ist mit uns los? Hat die Generation “Erben” immer noch alles unter Kontrolle, oder was? Reicht das Geld noch für die kleinen Statussymbole, die uns Zugehörigkeit zur besseren Gesellschaft vorspiegeln? Fährt man wieder zum Tauchen nach Ägypten, wo es diesmal Ölschwaden zu sehen gibt. Mal was anderes als immer nur Fische. Und wir folgen ja gewohnsheitsmäßig neuen Trends aus USA. – Nee, ist nicht lustig!
Quelle: Duckhome
Italien weint und streikt
von Micaela Taroni, Rom
Der Termin für den Generalstreik in Italien stand seit Wochen fest. Am Freitag, den 25. Juni, würde die Arbeiterbewegung des Landes gegen die einschneidenden »Sparpläne« der Regierung Berlusconi in den Ausstand treten. Daß jedoch das Fußballnationalteam, der amtierende Weltmeister, am Vorabend bei der WM in Südafrika seinen letzten Auftritt haben würde, war nicht vorhersehbar. Also mischte sich am gestrigen Freitag, als das fußballbegeisterte Italien in den Generalstreik trat, die Wut über die Politik Roms mit dem Frust über das Versagen der Squadra Azzurra. Regierungschef Silvio Berlusconi erlebte, daß der Sport das politische Handeln nicht zu verhindern vermag.
Millionen Beschäftigte folgten dem Aufruf des größten Gewerkschaftsdachverbands CGIL und legten ganztägig die Arbeit nieder. Hunderttausende demonstrierten in vielen Städten des Landes, darunter in Rom, Bologna, Turin, Mailand, Neapel, Palermo und Bari. Der gesamte öffentliche Dienst lag still, Schulen und Universitäten blieben geschlossen, die Post wurde nicht ausgetragen, in Krankenhäusern gab es nur Notdienste.
Quelle: junge Welt
Perestroika bei der FDP?
Wenn sich das ZK der FDP an diesem Wochenende in Klausur begibt, blickt es auf eine Partei, die am ehesten mit der KPdSU der späten 80er zu vergleichen ist: Ideologisch verbohrt, unflexibel, beim Volk unbeliebt, personell ausgelaugt und hoffnungslos realitätsflüchtig. Die Geschichte lehrt, dass politische Gruppierungen, die es sich in einem ideologischen Paralleluniversum ohne Rückkopplung an die Realität bequem gemacht haben, früher oder später von der Bildfläche verschwinden. Auch für die FDP tickt die Uhr unerbittlich. In den jüngsten Meinungsumfragen rangieren die Liberalen bei drei bis fünf Prozent. Statt der Champions-League peilt die Partei die Regionalliga an. Nicht mehr die SPD sondern die Piraten sind heute ihre politischen Gegner auf Augenhöhe.
Wer zu spät kommt, den bestraft der Wähler
Besonders bitter steht es um den Großen Vorsitzenden der FDP: Guido Westerwelle ist beim Volk ähnlich beliebt wie hartnäckiger Brech-Durchfall und selbst die Leitmedien haben für den Oberliberalen, der sich selbst als Maschinengewehr des Wirtschaftsliberalismus sieht, heute aber eher wie die Spritzpistole der Lobbyverbände wirkt, nur noch Mitleid übrig.
Quelle: Spiegelfechter
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Im Jahr 2025 kaum noch Joblose
Es klingt traumhaft, aber Forscher meinen ihre Einschätzung absolut ernst: Im Jahr 2025 werden in Deutschland der Prognose zufolge nur noch knapp 1,5 Millionen Menschen ohne Arbeit sein.
Nürnberg. Der deutsche Arbeitsmarkt steuert nach Experteneinschätzung langfristig rosigen Zeiten entgegen. Im Jahr 2025 werden in Deutschland der Prognose zufolge nur noch knapp 1,5 Millionen Menschen ohne Arbeit sein. Diese Vorhersage wurde am Donnerstag vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg veröffentlicht. Derzeit sind zusammen mit der sogenannten stillen Arbeitsmarktreserve knapp fünf Millionen ohne Arbeit. Die Zahl Arbeitslosen allein lag zuletzt bei 3,242 Millionen.
Quelle: FR
Volker Pispers – die Zukunft vorhersagen
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Firmen umgehen Tarife. Mindestlohn? Nicht mit uns!
Der Druck auf die Beschäftigten in Deutschland wächst: Dumpinglöhne nehmen zu, die geltenden Mindestlöhne werden oft nicht gezahlt. Allein in der Baubranche wurden 1500 Bußgeldverfahren eingeleitet.
Die Gewerkschaften fordern schon länger deutlich mehr Personal für die Finanzkontrolle Schwarzarbeit. Aus dem Schreiben des Ministeriums geht hervor, dass es für die FKS in diesem Jahr lediglich 150 zusätzliche Planstellen geben wird. ‘Der Staat kann so seiner Schutzfunktion gegenüber den Beschäftigten nicht gerecht werden’, sagte die Arbeitsrechtsexpertin der Grünen, Beate Müller-Gemmeke.
Ähnlich sieht es die Deutsche Zoll- und Finanzgewerkschaft BDZ: Die 150 zusätzlichen Stellen seien ‘bei weitem nicht genug’, kritisierte ein BDZ-Sprecher. Die Gewerkschaft hatte den zusätzlichen Personalbedarf auf 3500 Stellen hochgerechnet. Nach Angaben der BDZ waren ursprünglich 7000 Mitarbeiter in der FKS angepeilt – zu einem Zeitpunkt, als es nur für die knapp 700.000 Arbeitnehmer in der Baubranche Lohnuntergrenzen im Entsendegesetz gab. Auch der Bundesrechnungshof hatte bereits effektivere Kontrollen angemahnt.
Quelle: SZ
Die Reichen haben die Krise gut überstanden
10 Millionen Superreiche haben 2009 wieder 39 Billionen Dollar zum Spekulieren zur Verfügung gehabt
Reich sollte man sein. Denn den Reichen geht es mitten in der Wirtschaftskrise ziemlich gut. Im letzten Jahr konnten die Millionäre der Welt ihren Reichtum um 18,9 Prozent auf insgesamt 39 Billionen US-Dollar vermehren.
Nach dem jährlichen Wealth Report von Merrill Lynch Global Wealth Management und Capgemini haben die Superreichen fast wieder den Stand vor der Krise erreicht. Die Zahl der Menschen, die eine jährlich eine Million Dollar zur Verfügung haben, um sie anzulegen oder damit zu spekulieren, ist 2009 um 17 Prozent auf 10 Millionen gestiegen.
Die Superreichen finden sich vor allem in den USA, in Japan – und in Deutschland. In den den drei Ländern leben 53,5 Prozent der high “ultra net worth individuals (Ultra-HNWIs). In Nordamerika findet sich die höchste Konzentration der Ultra-HNWIs, nämlich 3,1 Millionen, was mehr als 30 Prozent der globalen Superreichen entspricht. In den USA sind es 2,866 Millionen, die aber zunehmend ihr Geld außerhalb der USA anlegen. Besonders schnell wächst die Zahl der Superreichen in Asien, aber sie legen auch in Lateinamerika zu.
Quelle: Telepolis
Engagement bei Evangelikalen
Christian Wulff: Erzchristlich
Sich als aktiver Christ zu bekennen, gehört für einen CDU-Politiker zum guten Ton. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff, der ins Schloss Bellevue einziehen will, bewegt sich mit seinem Engagement für christlich-evangelikale Kreise allerdings in durchaus fragwürdigen Kreisen.
Berlin – Seit 2005 sitzt Wulff im Kuratorium von Pro Christ, einer theologisch erzkonservativen Bewegung, deren Ziel die „Bekehrung von Menschen zum Glauben an Jesus Christus“ ist. Die Gruppierung organisiert mehrtägige missionarische Großveranstaltungen, die über Satellit in viele Städte übertragen werden. Charismatische Führungsfigur ist Ulrich Parzany, früher Pfarrer der rheinischen Landeskirche. Kenner der evangelikalen Szene rechnen Pro Christ dem gemäßigten Spektrum zu. Aber auch hier wird ein rigides Familienbild propagiert. Was nicht ins Bild passt wie etwa Scheidung, Abtreibung, Homosexualität, wird diffamiert. Christian Wulff ist geschieden.
Quelle: Tagesspiegel
Kürzung, nichts sonst
Regierung bilanziert »Rente mit 67«
von Jörn Boewe
Man könne doch einen Dachdecker nicht bis 67 arbeiten lassen, polterte vor vier Jahren der damalige SPD-Chef Kurt Beck gegen die Pläne der Regierung »Merkel I«, das Renteneintrittsalter bis 2029 schrittweise anzuheben. Was Becks Partei, die seinerzeit mit am Kabinettstisch saß, nicht daran hinderte, der Gesetzesänderung ein Jahr später zuzustimmen. Nun haben zumindest die Ostdeutschen in dieser Sache so ihre Erfahrungen: Sie haben einen Dachdecker sogar schon mal bis 77 arbeiten lassen, allerdings nicht auf dem Bau, sondern in der politischen Führung. Die Bilanz war entmutigend.
Heutzutage herrscht wieder Optimismus in den Schaltzentralen des politischen Berlins: Erstmals seit dem Bundestagsbeschluß von 2007 muß die Regierung in diesem Jahr den eingeschlagenen Kurs in der Rentenpolitik bilanzieren. Was sie vor wenigen Tagen auch tat, wenngleich sie durch eine »Große Anfrage« der Fraktion Die Linke auch erst ein bißchen gedrängelt werden mußte. Fazit: Die Koalition sieht »keinen Grund zu Besorgnis«. Die Anhebung der Altersgrenze »verursacht keine Rentenkürzung« und »ist die richtige Antwort auf den demographisch bedingten Rückgang des Erwerbspotentials«.
Quelle: junge Welt