Einfach widerlich
Besonders geschickt haben sich die Kanzlerin und der Bundespräsident im Vorfeld der Entscheidung des Bundesbankvorstandes, einen Antrag auf Abberufung ihres Kollegen Sarrazin einzureichen, nicht angestellt. Nachdem dann erwartungsgemäß der Antrag auf dem Tisch des Bundespräsidenten landete, hat er ihn erst einmal zur Begutachtung an die Bundesregierung weitergegeben. Nun wird geprüft, hin und her und rauf und runter abgewogen, wie das bei Be-hörden so üblich ist.
Und da der Bundespräsident bei seiner Entscheidung offenbar Hilfe braucht, kommt sie von berufener Stelle, nämlich der BILD-Zeitung. Auf bild.de kann man einen Brief an den Bundespräsidenten schreiben, besser gesagt, einen vorgeschriebenen Text unterschreiben und zusätzlich ein paar Kästchen anklicken. „In dieser wichtigen Angelegenheit, die so viele Menschen in Deutschland bewegt, möchte ich, dass Sie bei Ihrer Entscheidung meine persönliche Meinung kennen“, heißt es in dem vorgedruckten Anschreiben. Darauf wird Herr Wulff gewartet haben. „Wichtige Angelegenheit“? Hallooooooooooo!!! Merkt Ihr noch was bei der BILD-Zeitung? Kein Mensch würde mehr über Sarrazin und sein Buch reden, wenn das Feuer, das er damit gelegt hat, nicht ständig mit neuer Mediennahrung am Lodern gehalten würde. Im Iran beabsichtigt man, eine Frau zu steinigen. Das ist ein wichtiges Thema. BILD sollte seine Leser auffordern, an den iranischen Präsidenten zu schreiben, nicht an Wulff wegen Sarrazin.
Bei den Auswahlmöglichkeiten der vorgegebenen Kästchen, wird die Sache schon fast kabarettistisch. (Übrigens: Donnerstag 22.45 Uhr ARD Satiregipfel mit einem ungewöhnlichen Thema, Sarrazin). Also, unter der Überschrift „Meiner Meinung nach ist Herr Sarrazin…“ hat man die folgenden Anklickmöglichkeiten: „…ein kluger Kopf, der sich ehrlich um Deutschland sorgt“, „…ein Hetzer und Brandstifter, Rassist und Islam-Feind“, „…ein aufrechter Deutscher, den die Politiker aus Angst um ihre Wiederwahl mundtot machen wollen“, „…ein eitler Selbstdarsteller“. Ich nenne das gequirlte Scheiße. Übrigens: Es gibt noch die Rubrik „Oder“, die man selbst ausfüllen kann. Immerhin.
„Ich bitte Sie deshalb, Herrn Sarrazin…“ heißt es in der zweiten Überschrift „…nicht zu entlassen, sondern in Ihren Beraterstab aufzunehmen“, „…sofort als Bundesbankvorstand zu kündigen“, „…das Bundesverdienstkreuz am Bande zu verleihen“, „…im Amt zu belassen“. Erneut besteht die Möglichkeit, unter „Oder“ selbst Vorschläge zu machen. Wie wäre es mit „Steinigen“?
Und zum Schluss möchte BILD gern die Kontaktdaten des neuen Bundespräsidentenberaters wissen. Was für eine tolle Möglichkeit, an Adressen zu kommen. Der Trick ist grandios. Name, Wohnort, Telefon, E-Mail. Die Frage nach den Kontoverbindungen wird nicht gestellt, auch kann man mit dem Formular nicht das Buch von Sarrazin bestellen, eigentlich schade.
Auch wenn es schwer fällt, man kann sich, wenn man nichts Besseres zu tun hat, mit den Analysen und Bewertungen von Sarrazin auseinandersetzen. Muss es aber nicht. Dieses Buch ist re-kordverdächtig, inzwischen soll wohl die achte Auflage gedruckt werden. Auf Sarrazins Konto ist Bewegung im Sekundentakt. Er sollte das Geld Integrationsprojekten spenden, dann hat es wenigstens Sinn gemacht. Ansonsten ist das Buch völlig überflüssig. Was einige Medien jetzt allerdings aus diesem Thema machen, ist einfach nur noch widerlich.
Quelle: paperpress
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Bildung und Integration
ein Gastbeitrag von Detlef Reimers (Detlef Reimers war 22 Jahre lang Lehrer. Er unterrichtete sowohl an vier Hamburger Gymnasien als auch an zwei Gesamtschulen mit einem hohen Migrantenanteil.)
Das Thema Bildung ist für die Bürger unseres Landes ein Dauerbrenner, denn eine gute Schulund Berufsausbildung wird zu Recht als Voraussetzung für ein gutes Leben der jungen Generation angesehen. Die Politik übt sich hingegen lediglich in vollmündigen Ankündigungen und Erklärungen. Bei näherer Betrachtung zeigt sich aber für die bundesdeutsche Bildungslandschaft ein heilloser Bildungsflickenteppich. Durch den zwischen Bund und Ländern beschlossenen veränderten Finanzausgleich hat sich die Bundesregierung weitgehend aus der Bildungspolitik zurückgezogen. Vor diesem Hintergrund agiert die jetzige Bildungsministerin Schavan mehr oder weniger erratisch, in den wesentlichen Fragen aber zumindest nicht im Interesse der Mehrheit der betroffenen jungen Generation. Die Länder veranstalten weiterhin ihr Bildungsränkespiel um Macht und Geld, wobei hier das gleiche Parteibuch nicht gleichzusetzen ist mit gleichen Bildungszielen.
Elitenförderung statt Allgemeinbildung
Fast alle Projekte laufen auf eine klare Elitenförderung und einer seit über zwei Jahrzehnten systematischen Vernachlässigung der allgemeinbildenden Schulen hinaus. In allen Bundesländern gibt es eine immerwährende Konstante, die Schulen werden entsprechend ihrer Bismarckschen Hierarchie mit Geldern versorgt, was letztlich systematisch zum Aussterben der Hauptschulen führen musste. Gleichzeitig sind die klassischen Hauptschüler selbst aber nicht ausgestorben, nur fallen sie unter den neuen Bedingungen genauso unter den Tisch wie die in die Gymnasien strömenden klassischen Realschüler. In beiden Fällen sind hohe Durchfallsraten vorprogrammiert. Dies ist bildungstechnisch das berühmte Spiel “Reise nach Jerusalem”, den letzten beissen die Hunde.
Quelle: Der Spiegelfechter
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De Maizière: Bis zu 15 Prozent integrationsunwillig
Rund 10 bis 15 Prozent der Zuwanderer wollen sich nach Schätzung der Bundesregierung nicht in Deutschland eingliedern. Damit liege die Bundesrepublik im internationalen Vergleich aber «nicht so schlecht».
Das sagte Innenminister Thomas de Maizière am Mittwoch nach der Verabschiedung eines Integrationsprogramms im Kabinett. Eine absolute Zahl der Integrationsunwilligen nannte er ausdrücklich nicht. Der CDU-Politiker rief vor dem Hintergrund der umstrittenen Thesen des Bundesbankvorstands Thilo Sarrazin dazu auf, zu einer «sachlichen, wahrhaftigen und fairen» Integrationsdebatte zurückzukehren.
Das 200 Seiten starke Integrationsprogramm bilanziert die bisherigen Eingliederungsmaßnahmen und gibt Empfehlungen für die Zukunft. Unter anderem soll die Zahl der Lehrer aus Migrantenfamilien beispielsweise über Stipendienprogramme erhöht werden. Derzeit liegt der Anteil der Lehrer mit ausländischem Pass nur bei 1,2 Prozent. Zudem wird Verbänden eine stärkere Öffnung für junge Zuwanderer empfohlen. Im Herbst soll ein Integrationsgipfel die Debatte weiter voran bringen.
Quelle: nachrichten.de
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