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Unter dem Deckmantel der Gemeinnützigkeit

von Eren Güvercin
“Bertelsmann Republik Deutschland”: Ein Gespräch mit Thomas Schuler

Thomas Schuler ist Autor des Buches “Die Mohns”, wo er dem Aufstieg der Familie aus Gütersloh und dem ihres Konzerns Bertelsmann zur Weltspitze nachspürt. Sein neu erschienenes Buch über den Konzern – “Bertelsmann Republik Deutschland” – ist nach Einschätzung eines Rezensenten des Handelsblattes “gefährlich für die Gütersloher “. Schuler würde das einst hohe Ansehen beschädigen und den steuerlichen Vorteil der Gemeinnützigkeit gefährden. Telepolis sprach mit dem Buchautor und Journalisten.

Rund zwei Milliarden Euro gespart, aber die Kontrolle behalten
Herr Schuler, in Ihrem neuen Buch kritisieren Sie die Gütersloher Bertelsmann Stiftung hart. Warum eigentlich? Stiftungen sind doch eigentlich etwas sinnvolles für die Gesellschaft?

Thomas Schuler: Eine Stiftung für sich ist nicht gut oder böse. Es ist ein rechtliches Gebilde, ein Vermögen, das mit einer Idee versehen wird. Es kommt darauf an, was die Stiftung tut und wie sie das tut. Vor allem kommt es darauf an, wer sie kontrolliert. Eine Stiftung ist nicht Selbstzweck. Ich finde, man sollte genauer hinsehen. Man sollte sich auch klar machen, dass Stiften ein Privileg ist, das zu Steuererlässen führt. Der Stifter kann und darf also Steuergelder für eigene Interessen einsetzen – sofern sie als gemeinnützig anerkannt werden. Reinhard Mohn hat 1986 selbst betont, dass der hauptsächliche Grund für die Gründung seiner Stiftung war, dass seine Erben keine Erbschaftssteuer zahlen und deshalb Teile des Unternehmens verkaufen müssen.

Die Mohns haben sich damit rund zwei Milliarden Euro gespart, dennoch aber die Kontrolle über das Unternehmen behalten. Ihre Stiftung hat seit 1977 für rund 750 Projekte mehr als 800 Millionen Euro ausgegeben. So gesehen, stehen sie immer noch in der Schuld der Allgemeinheit.

Stiftungsexperten weisen darauf hin, dass die Mohns die 77 Prozent, die der Stiftung gehören, nicht einfach verkaufen und sich dafür einen Privatjet kaufen können. Das ist richtig. Aber das ist nicht nötig. Sie kontrollieren das Vermögen der Stiftung dennoch und den Jet brauchen sie nicht, weil ja das Unternehmen einen besitzt. Stiftungen gehören sich selbst, sagen Juristen. Entscheidend ist, wer sie kontrolliert. Und hier beginnen die Probleme. Die Stiftung ist nicht unabhängig und sie kann nicht über ihr Vermögen verfügen. Wenn sie das könnte, müsste die Stiftung ihr Vermögen verkaufen können. Aber dagegen hat sich Reinhard Mohn abgesichert.

Der Öffentlichkeit wird also nur vorgegaukelt, dass die Stiftung das Unternehmen nicht führe
Quelle: telepolis
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