Samstag News – KW 34
Zwölf Millionen von Armut bedroht
Würde der Staat nicht mit Sozialleistungen eingreifen, wäre fast jeder vierte in Deutschland “armutsgefährdet”
Rund zwölf Millionen Menschen in Deutschland (knapp 15 Prozent) waren 2009 von Armut bedroht, beinahe jeder siebte Bundesbürger. Das zeigen die Zahlen des Bundesamtes für Statistik, die heute veröffentlicht werden. Würde der Staat nicht mit Sozialleistungen eingreifen, wäre fast jeder vierte “armutsgefährdet”. Arbeitslose, Kinder und Alleinerziehende führen traditionell die Risikogruppen an. Doch was heißt “armutsgefährdet”?
Im Gegensatz zur “absoluten Armut” in Entwicklungsländern, wo das Existenzminimum den Maßstab liefert, arbeiten die Statistiker in den Wohlstandgesellschaften mit dem Begriff der “relativen Armut”. Die absolute Armut gilt – mit der Ausnahme weniger Gruppen (z. B. Obdachlose, Straßenkinder) – als überwunden. “Arm ist demnach eine Person, die im Vergleich zum allgemeinen gesellschaftlichen Standard nicht ausreichend mit bestimmten Ressourcen versorgt ist”, so die Statistiker. In das Alltagsleben übersetzt, könnte das bedeuten, dass man am Nötigsten spart, etwa an Heizkosten, Essen, Gesundheitsversorgung, Kleidung, Geräten, Erholung usw.
Freilich arbeiten die Statistiker mit einer rechnerisch exakten Defintion der Armutsgefährdung: Die Europäische Union definiert Menschen als armutsgefährdet, “die mit weniger als 60% des mittleren Einkommens (Median) der Bevölkerung auskommen müssen”. In genauen Zahlen heißt das für Deutschland im Jahr 2009 im Bundesdurchschnitt: weniger als 801 Euro für einen Ein-Personen-Haushalt und weniger als 1.683 Euro für einen Vier-Personen-Haushalt mit Kindern unter 14 Jahren.
Quelle: telepolis
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Wie der Wohlstand verteilt ist, bleibt ein Geheimnis
Ein Land guckt weg
KOMMENTAR VON ULRIKE HERRMANN
Geld ist ein scheues Reh. Dieses Bild ist abgegriffen, aber wahr. So gehört es zu den deutschen Statistikwundern, dass zwar erfasst ist, dass es 2007 exakt 69 Theaterorchester gab – doch sehr unklar ist, über wie viel Vermögen und Einkommen die reichen Bundesbürger verfügen.
Diese statistischen Lücken sind kein Zufall. Die deutschen Eliten wissen genau, dass eine Verteilungsdiskussion nur aufkommen kann, wenn bekannt ist, wie der Wohlstand verteilt ist. Also bleibt dies ein Geheimnis.
Quelle: taz
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