Die Infantilisierung der Volksverhetzung
Kinder sind manchmal grausam. Und grausam ist jene elterliche Gesinnung, die diese kindliche Grausamkeit unterstützt, im Anflug von Laissez-faire-Pädagogik sogar für wertvoll erachtet. Eine Erziehungsmethode, die es stets in der einen oder anderen Form gab, die aber heute in ihrem Gewährenlassen oft tyrannische Züge annimmt – und das unterstützt und gewollt von den Eltern selbst. Ellenbogen anspitzen, sie einzusetzen lernen, gehört heute zum guten Ton bürgerlicher Kindeserziehung – sie müssen sich ja durchzusetzen wissen, die lieben Kleinen. Unbestritten ist das recht und billig: die dazugehörige Rücksichtslosigkeit gegen Wehrlose, gegen Schwächere, wäre damit aber eigentlich nicht gemeint. Dem entgegenzuwirken wäre der Auftrag einer aufgeklärten Pädagogik, die Bestimmung von Eltern und Lehrern, von Gesellschaft und Staat.
Kinder zu lehren, dass man sich durchsetzen muß, dass der Rechtsstaat Mittel kennt, einer Ungerechtigkeit nachhaltig zu begegnen; einfach auch mal Nein sagen zu lernen, Courage zu zeigen, sich selbstbestimmt zu verweigern, ohne erst auf Befugnisse und Anordnungen zu blicken: all das beinhaltet aufgeklärte Erziehungsarbeit. Seine Ellenbogen dann auch mal einzufahren, gerade bei solchen, die sich kaum wehren können, geriete dabei zur Selbstverständlichkeit. In einem solchen Klima könnte die als Nebenprodukt kultureller Teilhabe anfallende Brandmarkung einer Gesellschaftsschicht, wenn schon nicht bedingungslos anerkannt, so doch zähneknirschend erduldet werden. Dort gefiele es zwar nicht jeden, dass Kinder aus Bedarfsgemeinschaften, vulgär Hartz IV-Kinder genannt, mit Bildungs-Chips ausgestattet würden, aber man hätte wenigstens die Gewissheit, dass solche Kinder nicht dem Spott anheimfielen, in eine Atmosphäre allgemeinen Verständnisses stolperten.
Quelle: ad sinistram
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August 20th, 2010 at 20:55
Na da darf der Betroffene nur darauf hoffen, nicht die Karte vor der Klasse durch die Bildungsinstutition Schule ausgehändigt zu bekommen. Das arme, und das meine ich hier wörtlich-, Kerlchen/Mädel kann einem jetzt schon leid tun. Der/die muss ja schon am ersten Tag die volle Energie aufbringen um sich gegen die Demütigungen zur Wehr setzen zu können. Da bleibt wenig Kraft zum Erlernen von Wissen. Das Denken mancher Elternteile und das Projezieren ihrer Denkweise auf die Sprösslinge nenne ich einfach nur – Pragmatischer Utilitarismus.