Bürgerliche Wohltätigkeit – Tucholsky
Bürgerliche Wohltätigkeit
Sieh! Da steht das Erholungsheim
einer Aktiengesellschafts-Gruppe;
morgens gibt es Haferschleim
und abends Gerstensuppe.
Und die Arbeiter dürfen auch in den Park …
Gut. Das ist der Pfennig.
Aber wo ist die Mark –?
Sie reichen euch manche Almosen hin
unter christlichen frommen Gebeten;
sie pflegen die leidende Wöchnerin,
denn sie brauchen ja die Proleten.
Sie liefern auch einen Armensarg …
Das ist der Pfennig. Aber wo ist die Mark –?
Die Mark ist tausend- und tausendfach
in fremde Taschen geflossen;
die Dividende hat mit viel Krach
der Aufsichtsrat beschlossen.
Für euch die Brühe. Für sie das Mark.
Für euch der Pfennig. Für sie die Mark.
Proleten!
Fallt nicht auf den Schwindel rein!
Sie schulden euch mehr als sie geben.
Sie schulden euch alles! Die Länderein,
die Bergwerke und die Wollfärberein …
sie schulden euch Glück und Leben.
Nimm, was du kriegst. Aber pfeif auf den Quark.
Denk an deine Klasse! Und die mach stark!
Für dich der Pfennig! Für dich die Mark!
Kämpfe –!
Kurt Tucholsky












August 15th, 2010 at 18:24
Wir schreiben das Jahr 2010 und trotzdem ist Tucholsky 1924 genauso aktuell.
Aus der damaligen Zeit hat man nicht viel gelernt. Es ist genauso.
Bloß nennt man es zu der heutigen Zeit nicht mehr Proletariat sondern das Prekariat.
Ansonsten ist alles wie eh und je.
Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
Wir sollten Banken, Plenarsäle besetzen und vor allem die Wirtschaft lahmlegen.
August 15th, 2010 at 19:13
den herrschaften waere es rechtens, wenn die heilsarmee durch die straßen maschiert und den menschen bei etwas suppe&brot das wort gottes verkuendet.
die kranken und behinderten werden durch die kirche gesalbt. wenn nicht geht es in massenbussen nach lourdes.
die unwilligen kommen in ein umerziehungslager, um endlich ihren pflichten nachzukommen.
unter dem motto: “auch niedrige und geringbezahlte arbeit macht gluecklich.”
und ueber allem herrsche der rechtsstaat.