Wortreich geschwiegen
Ich weigere mich unerbitterlich den Rücktritt dieser demokratischen Charaktermaske, dieser Charakterfratze zu kommentieren. Bockig und störrisch mag man mich nennen – mir einerlei! Was kümmert mich seine in Aussicht gestellte Amtsaufgabe? Was kümmert es uns allesamt eigentlich? Wenn sich die Korruption und die Menschenverachtung aus der Politik verabschieden würde… ja dann, dann wäre das erregend, dann könnte ich mich begeistern. Aber so? Was gibt es mir? Was soll ich dazu schreiben?
Es ist ja unverfroren, mit welchen Vokabeln man diesen Zurücktretenden bezeichnet: Eisprinz und Angreifer! Und fehlen werde er uns! Nur noch Ja-Sager blieben zurück! Man möchte sich jene Haare raufen, die man sich zuvor aus Frust schon ausgerissen hat. Da wird ein Märtyrer beschrieben, ein Verkannter, ein Genie, ein Opfer des politischen Unkulturbetriebes – etwelche Typen werden dargestellt, nur der Zurückgetretene nicht. Ein komischer Heiliger, der sich quer durch Parteispendenaffären lispelte und Demokrat wie er war, sein abgewähltes Amt als Geschäftsführer beibehielt, um seine damalige politische Konkurrentin aus einer Position der Stärke und Macht heraus zum Abschuss freizugeben.
Quelle: ad sinistram
Neusprech: Sozialstatus
Klassifikationssystem, das Menschen in wertvolle und weniger wertvolle Personen einteilt, ähnlich dem Kastensystem in Indien. Genauer: subtiles Herrschaftsinstrument zur Unterstützung und Stabilisierung der vorhandenen gesellschaftlichen Ungleichheiten. Der Sozialstatus bestimmt den Umgang der Menschen unter- und miteinander. Wer einen angesehenen Beruf nachgeht, viel Geld und gesellschaftlichen oder sozialen Einfluss hat, große Besitztümer sein eigen nennt, darf sich als Herrenmensch fühlen und gebaren. Alle anderen haben ihm -direkt oder indirekt- zu dienen oder zumindest ehrfürchtig zu ihm aufzublicken.
Sozial im Sinne von »an andere denken« bzw. »das Gemeinwohl im Auge zu behalten« ist hier nicht gemeint. Eigentlich müsste man meinen, dass Menschen mit hohen sozialen Kompetenzen, also Menschen mit Empathie, Einfühlungsvermögen, Ehrlichkeit usw. einen hohen Sozialstatus hätten? Der Gebrauch des Begriffes beschränkt sich jedoch nur darauf, aufzuzeigen, wie hoch der finanzielle oder soziale Einfluss eines Menschen ist und eben nicht, wie hoch seine tatsächlichen sozialen Fähigkeiten sind. Ähnlich wie bei dem Schlagwort vom »sozial schwachen« Menschen, wird eine Kausalität zwischen sozialer Kompetenz und privatem Vermögen hergestellt. Dabei ist die Kausalität meist wohl eher andersherum: derjenige, der über viel Vermögen verfügt, hat ihn meist über unsoziale, egoistische und wenig altruistische Handlungsweisen erworben.
Quelle: Zeitgeist. Blog
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Mai 26th, 2010 at 12:12
Der Link zum vollständigen Artikel funktioniert nicht…
Mai 26th, 2010 at 19:21
Nun sollte der Link funktionieren.