Am Abgrund – Heute 20.15 Uhr in der ARD: »Zivilcourage«
Hier hält man sich nicht auf, läuft zügig vorbei. Wer doch bleibt, der geht nirgends mehr hin, so scheint es. Der alte Obdachlose mit seinem Hund oder der junge Kroate Afrim (Arnel Taci) und seine Gang, es sind Abgeschriebene, Leute, um die man einen Bogen macht. Berlin-Kreuzberg, Haussmannstraße, Nähe Kottbusser Tor. Im Polizeideutsch: ein Kriminalitätsschwerpunkt.
Dieser Film versucht Realismus neu zu definieren – indem er das in den Parallelgesellschaften dieses Landes herrschende Selbstverständnis so präzise wie möglich beschreibt. Ohne Anklagepathos oder Entschuldigungsposen. Es ist kein Bild vom freundlichen Zusammenleben, sondern eines des wachsenden Gegeneinanders von Missachtung und Hass, bestenfalls von purer Ignoranz.
Was musste man für einen Film befürchten, der mit dem undezenten Titel »Zivilcourage« auftrumpft? Dabei ist es, das kann man schon jetzt sagen, eines der Fernsehereignisse dieses Jahres. Dieser Film, für den Jürgen Werner ein großartiges Buch schrieb, wird Diskussionen auslösen, die nicht nur an der Oberfläche bleiben – denn hier wird ein Abgrund an Gewalt sichtbar, wie man ihn aus Pariser Vorstädten kennt.
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