Presse: Berliner Jugendämter: ver.di lehnt aktuelles Senats-Gutachten ab
Presse: 13.11.2009
Berliner Jugendämter: ver.di lehnt aktuelles Senats-Gutachten ab
„Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft lehnt das aktuelle Senats-Gutachten zu den Berliner Jugendämtern ab“, sagte Heidrun Westkemper, zuständige ver.di-Gewerkschaftssekretärin. Die Gewerkschaft hat das von der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung in Auftrag gegebene Gutachten, das von der Firma „Steria Mummert Consulting“ erstellt wurde, gründlich analysiert. Im Gutachten ging es um die Personalausstattung eines sozialräumlich organisierten Jugendamtes. ver.di beanstandet die sehr mangelhafte Beteiligung der Beschäftigten vor, während und nach der Studie.
Der Studie liegen Zahlen aus der Kosten-Leitungs-Rechnung zugrunde, die sich nur auf die tatsächlich ausgeführten Arbeiten beziehen. Nicht berücksichtigt wurden alle Aufgaben, die ab- oder aufgeschoben wurden, weil sie nicht zu bewältigen waren bzw. sind. „Wir kritisieren, dass die Studie auf eindeutig falschen Vorgaben basiert und möglicherweise von den politisch Verantwortlichen als Argumentationshilfe für weitere Privatisierungen und Reduzierung der Berliner Jugendämter auf die sogenannten Kernaufgaben missbraucht werden könnte“, so Heidrun Westkemper.
ver.di fordert die Festlegung eines Personalschlüssels für die Sozialen Dienste unter Beteiligung der Gewerkschaft. Die höchstens zu bearbeitende Fallzahl je Vollzeitsozialarbeiter/in muss sich bei 40 Familien bewegen, um die erforderliche Qualität der Arbeit gewährleisten zu können. Daneben muss es endlich einen Einstellungskorridor für Berufsanfänger/innen geben. Neue Erkenntnisse, die jetzt in den Studiengängen gelehrt werden, müssen Eingang in die öffentlichen Dienste finden. ver.di lehnt außerdem weitere Privatisierungen ab. Wer steuern und beeinflussen will, braucht Fachleute und eine aufgabengerechte Finanzierung der Jugendarbeit. Alle Einrichtungen müssen erhalten bleiben.
„Es darf nicht mehr an Kinder- und Jugendarbeit gespart werden. Die Leitungsgrenze der Beschäftigten ist erreicht, allein im vergangenen Jahr hat es in diesem Bereich über 300 Überlastungsanzeigen von Beschäftigten gegeben. Das ist ein deutliches Warnsignal!“ – sagte Heidrun Westkemper.
Für inhaltliche Rückfragen:
Heidrun Westkemper – ver.di Berlin-Brandenburg – Fachbereich Gemeinden (Tel.: 030 – 88 66 53 54,
mobil: 0170 – 57 48 528)
Herausgeber:
Pressestelle des Landesbezirks Berlin-Brandenburg
der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di)
Andreas Splanemann – Pressesprecher
(Tel: 030/ 8866 – 4111)












November 22nd, 2009 at 12:53
ERST DIE KINDER – DANN DIE AKTEN!
ver.di Fachbereich Gemeinden, Berlin
Fachgruppe Sozial-, Kinder und Jugendhilfe
Resolution der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der ver.di-Informationsveranstaltung am 04.11.09
GPS statt Sozialarbeit?
Das Plenum der heutigen Diskussionsveranstaltung stellt fest:
Seit Jahren steigt die Zahl spektakulärer Fälle von Vernachlässigung und Misshandlung,
die an den betroffenen Kindern schwere körperliche und seelische Schäden anrichten oder gar zum Tode führen. Zu Recht wird nach der Verantwortung der Jugendämter ge-
fragt. Zugleich zeigen bundesweit die Kolleginnen und Kollegen in den Sozialpädagogi-
schen Diensten ihre zunehmende Überlastung an und fordern entlastende Maßnahmen.
In Berlin begannen im Jahr 2006 Kolleginnen und Kollegen der Berliner Bezirksämter
Interne Schreiben zu verfassen, von denen der Neuköllner Brief in die Öffentlichkeit gelangte. Im November 2007 protestierten ca. 250 KollegInnen vor dem Roten Rathaus gegen permanente Arbeitsüberlastung. Im Juni 2008 übergaben wir eine kollektive Überlastungsanzeige mit über 350 Unterschriften an den zuständigen Senator Zöllner. Selbst die DirektorInnen und StadträtInnen der 12 Bezirke hatten sich mit gemeinsamen Schreiben an die Senatsebene gewandt und die Verstärkung des Personals in den Sozialpädagogischen Diensten angemahnt. Unter dem erzeugten Druck beauftragte die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung die Unternehmensberatung Steria Mummert Consulting AG mit einer Studie zur „Personalausstattung sozialräumlich organisierter Berliner Jugendämter“. Senatsdirektor Penkert erläuterte im Vorfeld sinngemäß: ‚… diesmal würde die externe Unternehmensberatung die Zahlen verantworten…’ (nicht die Politik!). Das Ergebnis liegt nun vor. Für 300 000 € wurde ein 316-Seiten starkes Papier „produziert“, das Vorschläge beinhaltet:
- zur PRIVATISIERUNG von LEISTUNGEN, etwa der Jugendfreizeiteinrichtungen, der Pflegekinderdienste und der Tagespflege,
- zur UMORGANISATION DER LEISTUNGEN AN DIE BÜRGER, auch über die Abteilungs- bzw. Ämtergrenzen hinweg, etwa der Eingliederung von Teilen des Gesundheitsamtes in das Jugendamt und der Ausgliederung der Behindertenhilfe für Kinder und Jugendliche ins Sozialamt; sowie zur Einführung eines Eingangsmanagments, das schon im Vorfeld kanalisieren und „steuern“ soll,
- zur weiteren VERÄNDERUNG DES AUFGABENFELDES DES JUGENDAMTES, das sich auf GEWÄHRLEISTEN, PLANEN und STEUERN beschränken und DIE SOZIALARBEIT MIT DEN FAMILIEN den „GESTEUERTEN“ FREIEN TRÄGERN ÜBERLASSEN SOLL.
Vollkommen unberücksichtigt bleibt die zunehmende soziale Belastung der Wohnbevölke-
rung und die sich daraus ergebende Notwendigkeit neuer Angebote, um dem Auftrag des
Kinder-und Jugendhilfegesetzes nachzukommen, nämlich die Erziehungskompetenz von
Eltern zu stärken, die Entwicklung von Kindern zu fördern und Benachteiligungen abzu-
bauen. STATTDESSEN WERDEN DEN MITARBEITERINNEN UND MITARBEITER DER SOZIALPÄDAGOGISCHEN DIENSTE VERHÖHNT! IHNEN WIRD EINE „GEFÜHLTE ÜBERLASTUNG“ ATTESTIERT, DIE AUS SICHT DER STUDIE NICHT BELEGT WERDEN KANN!
WIR VERMISSEN EINE ANALYSE, WIE VIEL ZEIT DURCHSCHNITTLICH FÜR DIE FACHGERECHTE ERLEDIGUNG JEDER EINZELNEN AUFGABE ERFORDERLICH IST UND WIE SICH DARAUS EINE ARBEITSBESCHREIBUNG ABLEITEN LÄSST, AUS DER AUCH DEUTLICH WIRD, WO DIE GRENZEN DER BELASTBARKEIT ERREICHT SIND.
Im Gegensatz zu vielen anderen Aufgabenfeldern -deren Ausstattung sich am tatsächli-
chen Arbeitsaufkommen orientiert -wird von Steria Mummert Consulting z. B. vorge- schlagen, die Zahl der Kolleginnen und Kollegen im RSD anhand von Sozialdaten und
Einwohnerwerten festzulegen, um – Zitat –„nicht falsche Anreize zu Hilfeeinleitungen
oder -fortsetzungen zu geben.“
WIR STELLEN FEST, DASS DIE BE-UND ÜBERLASTUNGS NACH WIE VOR DAZU FÜHRT, DASS KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN SCHWER ODER DAUERHAFT ERKRANKEN BZB. SICH NACH STELLEN IN ANDEREN BEREICHEN UMSEHEN.
Das Gutachten von Steria Mummert Consulting überzeugt uns nicht. Deshalb fordern wir wie schon 2006, 2007 und 2008 statt allseitiger Beschimpfung und Schuldzuweisung
- die FESTLEGUNG EINES PERSONALSCHLÜSSELS FÜR DIE SOZIALEN DIENSTE, unter Beteiligung der Gewerkschaften! Die höchstens zu bearbeitende Fallzahl je Vollzeitsozialarbeiterin muss sich bei 40 Familien bewegen, um die erforderliche Qua- lität der Arbeit zu gewährleisten.
- EINEN EINSTELLUNGSKORRIDOR FÜR BERUFANFÄNGERINNEN! Neue Erkenntnisse, die in den Studiengängen gelehrt werden, müssen Eingang in die öffentlichen Dienste finden.
- eine Bezahlung der Sozialarbeiterinnen, die ihrer hohen Verantwortung für das Wohl ergehen von Kindern entspricht.
Wir fordern außerdem– anders als im Gutachten empfohlen –
-keine Reduzierung des Jugendamtes auf die Kernaufgaben, d.h. KEINE WEITEREN PRIVATISIERUNGEN DER JUGENDFREIZEITEINRICHTUNGEN! UND AUCH NICHT ANDERSWO!
Wer steuern und beeinflussen will braucht Fachlichkeit und Praxis und eine aufgabengerechte Finanzierung der Jugendarbeit. Nur Gewährleisten reicht nicht. Alle Einrichtungen müssen erhalten bleiben!
Teilnehmerinnen und Teilnehmer der ver.di-Veranstaltung „GPS statt Sozialarbeit?“ am 4. November 2009
ERST DIE KINDER – DANN DIE AKTEN!
November 25th, 2009 at 11:19
Mit dem Geld, was eine solche Studie dem Steuerzahler gekostet hat (gefragt wurde dieser ja nicht), könnte man 5-6 Einrichtungen finanzieren. Da kommt definitiv mehr als dieser gequirlte Schwachsinn heraus. Geben wir alle Aufgaben ab und ziehen uns auf die Kernaufgaben zurück. Wasserwirtschaft, Energieversorger, Nahverkehr, Bildung und Erziehung, Justiz, Medien etc. wird gänzlich privatisiert. Die Wirtschaft übernimmt die Kontrolle.
Was mir völlig unklar ist, wie kann es eigentlich sein, dass es Bürgerdeputierte gibt, die gleichzeitig bei Freien Trägern arbeiten? Werden hier nicht Eigeninteressen vertreten? Wo werden hier die geforderten sozialräumlichen Interessen vertreten? Es reicht nicht nur aus, eine Stadträtin als Schirmherrin für eigene Projekte / Veranstaltungen zu nennen. Sieht aber gut aus. Ist aber eine Krux.
Werte Frau Herrmann, ihre hoch gelobte und gepriesene Sozialraumorientierung ist doch nur Schein. Aber wie man ihren Worten vernehmen kann, wird alles gut und sogar noch besser.
Ziehen Sie sich eigentlich die Hose mit der Kneifzange an?
Ich erwarte sehnlich “Hermanns Baukasten – Jugendarbeit”.
An den Widerstand in Berlin: Macht weiter so! Nicht Fr. Herrmann ist das was bisher erreicht wurde gutzuschreiben, es ist euer Einmischen in diese Kürzungspolitik des Senates und der bezirklichen Marionettenpolitik.
November 25th, 2009 at 15:39
Hallo, Che -
was die Zusammensetzung des JHA betrifft – s. § 71,1 und 2 SBG VIII…
Was das “Erreichte” betrifft, gebe ich Recht, ohne Widerstand und Demos wäre die Diskussion in Berlin und im Bezirk gar nicht so breit geführt worden. Dies habe ich aber von Anfang an schon so gesagt…
Mit Gruß
Monika Herrmann
November 25th, 2009 at 20:58
@fr. herrmann
warum antworten sie denn nicht auf die ihnen gestellten fragen?
bzw. nur auf die, auf die die immer gleichen phrasen passen…
November 26th, 2009 at 08:12
Ich habe gestern über Twitter einen Hinweis erhalten:
Alle Mitglieder des Jugendhilfeausschuss werden zu einer Sondersitzung am 26.11.09 eingeladen, um sie in ihrer Entscheidungsfindung zu unterstützen. Wenn ich es richtig vernommen habe, soll es keine öffentliche Veranstaltung sein. Nun könnte man sagen, hinter verschlossenen Türen kann Politik ungestört ihre Ziele durchsetzen. Keiner der Mitarbeiter ist vor Ort, um hier Aufklärung zu verbreiten.
Die Vergangenheit hat bereits aufgezeigt, wenn in einem Kämmerlein politische Interessen durchgesetzt werden, führt dies niemals zu etwas gutem.
Lasst euch keine Hörner aufsetzen und fordert die vollständige Transparenz. Hier will man mit allen Mitteln etwas durchsetzen, benötigt dafür die Zustimmungen der Ausschussmitglieder und erzählt denen was vom Pferd.
Die sollen sich selbst kürzen und nicht die Jugendarbeit krank kürzen!
November 26th, 2009 at 09:25
an Rebellin
ist doch klar:
direkte Fragen werden ausgeblendet.Da stellt sich doch die Frage, kann man es nicht beantworten oder wird dadurch deutlich, das was man als Antwort von sich gibt, die Richtigkeit des anderen aufzeigt.
So sieht die Auseinandersetzung mit Politikern aus. Taktisch klug, dennoch entlarvend.
Das Eingeständnis von politischen Fehlentscheidungen führt doch automatisch zum Verlust des politischen Ansehens.
Die einen möchten nach der nächsten Kommunalwahl endlich mal die Stadt regieren und tot verwalten, die anderen besitzen aus Angst vor noch mehr Stimmverlusten kein Rückgrat mehr und die anderen warten auf die Gelegenheit den kleinen Bürger noch mehr abhängig zu machen. Wenn es geht mit gekürzten Transferleistungen, Bildungsscheine für die erziehungsunfähigen Eltern und noch mehr soziale Kürzungen für alle. Hauptsache die Investoren kommen. Genügend Anreiz wird schon geschaffen.
Es interessiert sie keinesfalls, dass fast täglich Autos brennen, Häuser geräumt werden, Jugendliche ohne rechtskräftige Beweise in Untersuchungshaft sitzen, Unis besetzt werden, wöchentlich Demos gegen die Missstände stattfinden und der Bürger immer mehr den Glauben an diese politische Führung und deren Ausrichtung verliert.
In diesem Sinne, leisten wir alle den Widerstand.
November 28th, 2009 at 11:10
” WEHE;WEHE;WENN ICH AUF DAS ENDE SEHE”
W.BUSCH konnte es nicht deutlicher formuliert haben
frau herrmann,herr hackenthal und NICHTDENKER schämt euch für diese entscheidung
November 29th, 2009 at 12:12
an Frau Herrmann
Mit Ihrer NICHTöffentlichen Sitzung haben sie erneut bewiesen, das es ihnen in keiner Weise um die Transparenz geht. Es dient doch lediglich dazu, die Entscheidungsmitglieder in einer gekonnten Art und Weise in die für sie richtige Spur zu lenken.
Die Einbeziehung der Betroffenen war nie Ihr Ziel. Hier werden doch schon seit längerem Konzepte vorgelegt, um dieses Unterfangen schnell über die Bühne zu bringen.
Wie kann es sein, das die Horte schon anfragen, mit welchem Personal sie demnächst aus dem Bereich Jugendförderung rechnen können? Zu bemerken sei hierbei, das dort schon Personal vorhanden ist. Das schiebt man dann ab, um andere Personallöcher in den Kitas zu schließen. Da kann man nur sagen, VERLOGEN!
Wie wäre der Vorschlag, jeder Partei und deren Interessen, IHR KLUB!
Sparen Sie mal ruhig weiter. Und nicht vergessen, auch Qualität ist entscheidend. Und Transparenz der geschriebenen Zahlen. Da würde sich bei mancher Einrichtungen eine Weiterfinanzierung erübrigen!