Vorstellung Loyal e.V.
Geschichte und Finanzierung
Im Herbst 2003 legte ich mit sieben weiteren Studierenden des Pestalozzi-Fröbel-Hauses den Grundstein für die heutige professionelle Kinder- und Jugendarbeit in den Südblöcken. Unsere Arbeit fand in einer ehemaligen Waschküche statt und wurde von uns und den Besuchern umgestaltet.
Im Sommer 2004 hat Herr Korkot auf Anfrage ein weiteres Projekt im Block 88 gegründet und aufgebaut. Die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen begann mit dem Ausbau und Gestaltung der Holzhütte im Innenhof. Später erhielten wir einen ehemaligen Lagerraum und konnten unsere Angebote fortführen.
Die Maßnahme “Kinder und Jugendliche ohne Gewalt in den Südhöfen” diente vom Herbst 2003 bis zum Sommer 2007 unter Leitung des Pestalozzi-Fröbel-Hauses als eine methodische wie auch Inhaltliche Erweiterung der Erfahrungen. Seit Oktober 07 haben die Gründer (Tahsin Korkot & Jessica Fuchs-Nikoci) beider Kinder- und Jugendeinrichtungen einen eigenen Verein (Loval e.V.) gegründet.
Dieses Projekt unter Loyal e.V. wurde seither in Kooperation (mit der GSW und mit dem Mitteln aus dem Programm „Soziale Stadt“ des Quartiersmanagement Zentrum Kreuzberg / Oranienstraße / Kottbusser Tor gefördert. Im Juli 07 wurden uns von der GSW neue und größere Räume zur Verfügung gestellt (Reichenbergerstr.21 und Kohlfurterstr.11). Das Jahr 2009 wird aus Mitteln des Bürgerhaushaltes finanziert und läuft Ende des Jahres aus.
Das Erlebte
In den ersten Jahren ging es uns nicht darum, die Kinder mit riesigen Angebote, Projekten oder Ausflügen zu überfluten. Unsere Priorität bestand darin eine stabile und sichere Bindung zu den Kindern, Jugendlichen und Familien aufzubauen. Beziehungen sind der Motor des Lebens! Wir lernten die Strukturen und Muster der Familien kennen und konnten spezifischer auf die Bedürfnisse und Ressourcen der Kinder und Jugendlichen eingehen. Sie sehen uns nicht als Übermenschen, eher als Begleiter in ihren unterschiedlichen Lebenslagen. In den ersten Jahren erlebten wir täglich mehrere gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Gruppen oder Kindern, aber auch uns gegenüber. Elterngespräche und Polizeieinsätze gehörten mit zum Tagesgeschehen. Neue Bücher, Spiele oder Gegenstände wurden schnell beschädigt, beschmutzt oder geklaut. Der Hass und die Vorurteile zwischen Arabern und Türken war enorm und bescherte immer neue Konflikte. Mädchen trauten sich selten in den Innenhof des Blockes, da sich dort hauptsächlich Jungen oder Männer aufhielten. Wir Pädagogen wurden oft beschimpft, mit Ausdrücken beworfen und mussten uns zuletzt gegen gewalttätige Übergriffe wehren. Unsere Ziele mussten viel kleiner gesteckt werden, damit wir den Kindern- und Jugendlichen grundlegende Werte erst vermitteln konnten, die sie auf der Straße verlernt hatten. Die Kinder entwickelten gemeinsam auf einer Konferenz, ein Regelwerk, dass von nun an Jeder zu befolgen hatte. Cirka 1,5 Jahre waren wir nur damit beschäftigt diese Regeln umzusetzen und die nötigen Konsequenzen durchzusetzen und auszuhalten. Erst nachdem sie lernten, dass sie selbst für den Aufenthalt oder Nichtaufenthalt in unseren Räumen verantwortlich sind konnten wir Projekte, Angebote, Ausflüge und Reisen unternehmen. Es war eine harte und nicht immer ungefährliche Aufgabe für uns und konnte nur mit großer Unterstützung der Familien, Nachbarn und Kooperationspartner gelingen. Nach fast sechsjähriger kontinuierlicher Arbeit in den Südblöcken können wir einstimmig sagen, dass sich die wertvolle Arbeit gelohnt hat und wir sie nicht mehr missen möchten.
Das Erreichte
- Mädchen und Jungen besuchen die Einrichtung zu gleichen Anteilen
- die Einrichtung wird nicht mehr beschmiert oder zerstört
- in den Räumen finden wenige gewalttätigen Auseinandersetzungen statt
- arabische und türkische Kinder können sich in den Räumen aufhalten, ohne aneinander zu geraten
- der Umgang miteinander ist freundlicher geworden
- Kinder und Jugendliche übernehmen Verantwortung für die Räume und erinnern neue Gäste an unsere Regeln
- wir müssen nicht mehr jeden Raum beaufsichtigen und kontrollieren, da wir ihnen vertrauen können und sie dieses Vertrauen nicht mehr benutzen würden
- die Streitkultur hat sich unter unseren Jugendlichen zum positiven verändert dadurch muss nicht mehr so häufig eingegriffen werden
- Eltern und Anwohner zeigen ein großes Interesse an der Arbeit
- der Umgang gegenüber Erwachsenen ist freundlicher und respektvoller
- die Kinder haben einen Ort Hausaufgaben zu machen, da sich die Möglichkeit zuhause oft nicht bietet
- der Konsum von Drogen und Alkohol ist in den Jahren spürbar zurückgegangen
- die älteren Jugendlichen wurden zur Verantwortung gezogen, auf die Jüngeren zu achten und begleiten uns regelmäßig auf Ausflügen
- schulische Leistungen haben sich verbessert, dadurch entstanden neue berufliche Perspektiven
Die Vergangenheit wird unsere Zukunft
Bericht der Sozialen Stadt
Das Gebiet Südblöcke (zwischen der Admiralstraße und Kottbusserstraße, südlich des U-Bhf. Kottbusser Tor) ist durch eine mit sozialen Problemen belastete Bewohnerschaft geprägt. Der Anteil an Bewohnerinnen und Bewohnern mit Migrationshintergrund ist in den Südblöcken höher als in fast allen anderen Gebieten der Stadt. Der verstärkt unter den MigrantInnen – hohe Anteil an Arbeitslosen und Transferleistungsabhängigen und die damit verbundene Armut tragen zu Ausgrenzung und Isolation bei.
Ein Bericht der Jugendförderung des Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg vom 21.05.2002 nennt die Südhöfe des Kottbusser Tors „Treffpunkte mit hohem Auffälligkeitsgrad der Gruppen“. Es gibt immer noch starke Aggressivitäten zwischen „arabischen“ und „türkischen“ Gruppen.
Ohne eine Finanzierung werden die alten Zeiten und Straßenkulturen uns wieder einholen!!!!!
Ohne eine Finanzierung herrscht wieder Gewalt, Erpressung und gegenseitiger Hass in den Blöcken!!!
Ohne eine Finanzierung werden Mädchen und junge Frauen in ihr vorgeschriebenes Rollensystem fallen und nicht lernen ihren eigenen Lebensweg zu gehen.
Ohne eine Finanzierung werden Drogen und Alkohol wieder zum Alltag gehören!!!
Ohne eine Finanzierung können wir Jugendlichen keine Ausbildungsplätze vermitteln oder beim Schreiben einer Bewerbung helfen!!!












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