Presse: Entscheidung vertagt
Übergabe von Jugendclubs erst im nächsten Jahr
Friedrichshain-Kreuzberg. Zur vorgesehenen Übergabe alle bezirklichen Jugendeinrichtungen an freie Träger hat der Jugendhilfeausschuss in seiner jüngsten Sitzung noch keine Entscheidung getroffen.

Ein entsprechendes Votum wurde vertagt. Begründet wurde der Aufschub vor allem damit, dass die Ausschussmitglieder die entsprechende Vorlage des Bezirksamtes erst einen Tag zuvor erhalten hatten. Diskutiert wurde über das Thema trotzdem, denn erneut kamen rund 100 Kinder, Eltern und Erzieher, die gegen diese Pläne protestierten. Sie zweifeln weiter an den Beteuerungen von Stadträtin Monika Herrmann (B90/Grüne), am Umfang und Leistungsangebot der Freizeitstätten werde sich auch in der Verantwortung der freien Träger nichts ändern. Veränderungen gebe es dagegen, das gab auch die Stadträtin zu, bei der „Beziehungskontinuität“ in den Einrichtungen. Im Klartext: Die jungen Nutzer müssen sich wohl an vielen Stellen an neue Betreuer gewöhnen.
Dass die Mitarbeiter der freien Träger, wie ebenfalls häufig vorgebracht, finanziell schlechter gestellt seien, als die im öffentlichen Dienst, bestritt Jugendamtsleiter Thomas Harkenthal. Deren Verdienst bewege sich in gleicher Höhe und es werde dort auch nicht verstärkt mit MAE- oder studentischen Kräften gearbeitet. Wenn das so stimme, wie könne es dann überhaupt eine Einsparung geben, so darauf die Nachfrage aus dem Publikum. Grund dafür seien weitere Berechnungen der öffentlichen Hand, die etwa in den Leistungsbereich Jugendfreizeitstätten mit einfließen. Zum Beispiel weitere Personalkosten, die mit dieser Arbeit direkt gar nichts zu tun hätten. Aussagen, die bei vielen Betroffenen den Sinn der gesamten Operation noch weniger nachvollziehbar erscheinen ließ.
Dass die vollständige Übergabe aller Einrichtungen auch von vielen Mitarbeitern des Jugendamtes eher kritisch gesehen wird, hatte Monika Herrmann schon zuvor eingeräumt. Ihre Zweifel ließ vor allem Evelyn Wittke, Fachleiterin des Bereichs Jugendförderung einigermaßen deutlich erkennen. Entsprechende Vorgaben zur Jugendarbeit verlangen für diesen Bereich unterschiedliche Anbieter, führte sie aus. „Rein formal ist das natürlich erfüllt, wenn hier verschiedene freie Träger zum Zug kommen. Es bleibt aber die Frage, ob damit nicht sowohl solche, als auch öffentliche Einrichtungen gemeint sind.“
Klar ist auf jeden Fall, dass selbst bei einer Zustimmung des Ausschusses und danach der BVV die gesamte Übertragung nicht wie geplant zum Jahresende, sondern erst zum Sommer 2010 abgeschlossen sein wird. Für die Betroffenen bedeutet dieser Aufschub gleichzeitig, den Kampf für den Erhalt zumindest einiger öffentlicher Jugendclubs weiter fortzusetzen. Etwa auch in Form von offenen Briefen an die Bezirks-Fraktionen. Auch die Elterninitiative der Modersohn-Grundschule hat vor einigen Tagen ein solches Schreiben formuliert. An der außerschulischen Bildung sollte auf keinen Fall gespart werden, heißt es dort. Und schon gar nicht zugunsten millionenschwerer Prestige-Projekte. Denn „was die Jugendhilfe (sich) nicht leisten kann, bezahlt später die Justiz“.
Quelle: Berliner Woche – Ausgabe 30. September 2009 – Autor : Herr Frey












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