Was sind schon 15 Jahre
frage ich mich gerade und wandle so durch die Räume des „So-nett’s“. „Was muß ich tun, um auf den neuen Grundwert zu kommen?“ fragt ein Mädchen ein anderes. Im Computeraum sitzen einige Mädchen und Jungen am Tisch. Neben den Heftern und Büchern liegen Fotos, Plakate, Zeichnungen, Texte aus all diesen Jahren. Doch was wählen wir aus, um über das zu erzählen, was Ausgangspunkt nahm an diesem Ort. Was ist geschehen in dieser Zeit? Und vor allen Dingen, wie ist es geschehen? Was bedeutet unsere kontinuierliche Arbeit für Kinder von damals und all die anderen, die bis zum heutigen Tag dieses Angebot der Offenen Kinder- und Jugendarbeit nutzten und nutzen?
Bei diesem Gedanken kam ich im größten Raum unserer Freizeiteinrichtung an, der bis heute keinen Namen hat, da er von so vielen verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Interessen genutzt wird. Hier treffen sich gerade Kinder zur heutigen Chorprobe. Der heutige Regenbogen-Chor vereint in seinem Ensemble 43 Kinder und Jugendliche ab dem neunten Lebensjahr quer durch alle Altersstufen und besteht am 11. September 2009 seit 25 Jahren. Zu anderen Zeiten werden hier Tischtennis und Billard gespielt, Weihnachten gefeiert, an Probenwochenenden übernachtet. Diese Tradition begann mit der Theatergruppe „TiPanik“ und wird von der Jongliergruppegruppe „las diabolas“ fortgesetzt.
Im Bastelraum entsteht ein Flitzbogen nach dem anderen. Im Garten dann werden sie ausprobiert. Glücklicherweise sind die Enten rechtzeitig geflohen. Aber es gibt noch einen Frosch, ein Eichhörnchen, ein Buntspechtpaar und Elstern und Krähen, die nach dem Diebstahl der frisch ausgesäten Salat- und Radieschensamen ein Schlückchen aus dem Teich trinken. Einige Jungen sitzen auf ehemaligen Baumstämmen, die jetzt zu Tisch und Stühlen umgearbeitet worden sind und interessieren sich überhaupt nicht für die Vögel am Teich sondern nur für ihre Harry Potter Zauberprüfung.
15 Jahre Kindertreff „So-nett“ stehen unter dem Motto „Kontinuität und Vielfalt“. Ziel unserer Arbeit seit dem 04.05.1995 ist es, ein Treffpunkt für Kinder im Alter von 8-14 Jahren zu sein und verbindliche Angebote im musisch-kulturellen Bereich mit großer Nachhaltigkeit zu ermöglichen. Zu allen Anlässen oder Nichtanlässen werden bei uns Kultur, Sport und Bildung bunt gemischt. Dazu gehören für uns beispielsweise Weltenbummlerfeste, Filmfeste, Theaterpremieren, Kiezfeste, Sommerfeste, Chorfeste, Tischtennisturniere, Discos, Schatzsuche, Fasching, Halloween usw.
Zahlreiche Projekte sowie diverse Fahrten und Workshops haben das kulturelle und soziale Leben im „So-nett“ bereichert und Besucher wie Mitarbeiter dazu angeregt, viele scheinbar alltägliche Dinge aus anderer Perspektive zu betrachten.
Was ließe sich noch erzählen? Vieles und nichts. Es liegen fast 15 Jahre fröhlicher, anstrengender, liebevoller Arbeit mit vielfältigen Auseinandersetzungen hinter uns, den fest angestellten Mitarbeiterinnen Katrin Beck und mir, den vielen Praktikantinnen und Praktikanten und den zahlreichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die hier für wenig oder kein Honorar mit ganzem Herzen und allem Können sich den Kindern und Jugendlichen und der Pflege guter Kontakte und nachbarschaftlicher Beziehungen im Sozialraum gewidmet haben und widmen.
Auch den Anwohnern im Kiez sind wir bekannt. Bestes Beispiel ist die gemeinsam gestaltete Sanddüne auf der bisher ungenutzten Fläche neben der Kinderfreizeiteinrichtung, die mit Strandhafer und Sanddorn bepflanzt, zum Verweilen für klein und groß einlädt.
Gern erinnere mich an unsere Theaterproduktion „Abendmahl, das letzte Gericht“. Dieses Stück war komplett selbst erarbeitet worden, angefangen bei der Story über die Charaktere bis hin zur Botschaft, die die damals 10 Jahre alte Theatergruppe der Welt mitteilen wollte: Lebe Deine Träume, denn sie verändern Deine Wirklichkeit! Eine Gesellschaft muß träumen, um zu überleben!
Lange schon spielen die Jugendlichen der Theatergruppe „TiPanik“ ohne das „So-nett“ weiter Theater, ohne mich, die ich diese Gruppe über einen langen Zeitraum begleitete. Ich habe mich überflüssig gemacht – eben Jugendsozialarbeit oder Jugendkulturarbeit oder soziale Kulturarbeit?
Aber das ist ein anders „Sich-überflüssig-machen“ als jetzt mit der Streichung der Stellen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller kommunalen Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen unseres Bezirkes geplant ist.
Katrin Becker
Leiterin der Kinderfreizeiteinrichtung „So-nett“












Leave a Reply